Erneuerte Trachten für Kulmbach

Frau Dr. Jauernig in erneuerter Kulmbacher Tracht

Auch im Kulmbacher Land ist der Wunsch nach einer zeitgemäßen regionaltypischen Tracht laut geworden, nach einer Tracht, in der man die historischen Vorbilder wiederfindet, die aber dennoch nicht altmodisch wirkt, nach einer Tracht, in der man sich so attraktiv und wohl fühlt, dass man sie gern zu Festen oder auf der Bierwoche trägt. Bisher, so wurde beklagt, müsse man auf Landhausmode und oberbayerische Dirndln und Lederhosen zurückgreifen, wenn man die Bierwoche oder ein anderes Volksfest besuchen wolle.



Im Herbst 2009 ergriff Anita Sack aus Maierhof bei Kulmbach die Initiative und wandte sich an die Trachtenberaterin für Oberfranken, Dr. Birgit Jauernig. Mit Hilfe der Tagespresse kamen unter dem Motto „Schätze aus dem Kleiderschrank“ die an Trachten interessierten Kulmbacher zusammen und brachten historische Kleidungsstücke aus Familienbesitz. Ein spektakulärer Fund war eine originale Lederhose, die vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts getragen wurde. Zahlreiche Kleidungsstücke aus Familienbesitz brachte Ingeborg Degelmann mit, u.a. die Tracht ihrer Urgroßmutter Luise Nützel (1862-1917) aus Fölschnitz. Sie war die älteste von zwei Töchtern der Gastwirtsfamilie Nützel und heiratete 1882 den Zieglermeister Friedrich Nützel in Fölschnitz. Der leuchtendviolette Leibrock, der zur Vorlage für die erneuerte Kulmbacher Tracht wurde, war vermutlich Bestandteil der sonntäglichen Kleidung und stammt sicher noch aus dem späten 19. Jahrhundert.

Das Kulmbacher Land ist leider bisher in der Kleidungsforschung ein weißer Fleck auf der oberfränkischen Landkarte. Bedauerlicherweise sind die einzigen bisher bekannten Trachten aus dem 19. Jahrhundert, die im Städtischen Museum aufbewahrt worden waren, im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Übrig geblieben ist nur eine Beschreibung aus dem Gedächtnis.

Nach dem Vorbild des Leibrockes der Luise Nützel entwickelten die Trachtenschneiderinnen Monika Bürks und Sandra Müller im Auftrag der Trachtenberaterin für Oberfranken verschiedene Modellzeichnungen. Diese waren Anregungen und Vorbilder für die Kulmbacher Schneiderinnen, die von da selbständig die Trachten schneiderten, die für eine Präsentation am Tag der Franken 2010 in Kulmbach vorgesehen waren.

Die Trachtenschneiderin Sandra Müller entwickelte im Auftrag der Trachtenberatung Oberfranken das Modell "Kulmbach". Gewählt wurde dieses Mal keine Festtagsstracht, sondern eine leichte, frische Tracht für den Sommer. Sie besteht aus Baumwollstoffen und folgt im Schnitt und in der Auszier dem originalen Vorbild. Bei der Auswahl der drei Baumwolldrucke für Mieder, Rock und Schürze stand die Farbe Violett im Vordergrund.

Das Modell "Kulmbach" eignet sich für den Besuch von Festen oder einfach für alle schönen Sommertage. Am besten passt dazu eine schlichte Trachtenbluse, bei kühlerem Wetter kann auch eine klassische Hemdbluse mit langen Ärmeln dazu getragen werden.


Die Schnittmuster sind bei der Oberfränkischen Trachtenberatung zu kaufen.

Foto:
Anny Maurer


Trachtenberatung Oberfranken

Trachtenerneuerung

Die Schnittmuster für die Modelle

"Coburger Land", "Kulmbach", "Bamberg"und das "Wunsiedler Mieder"

in den Größen 36-38, 40-42, 44-46 können in der Trachtenberatungsstelle Oberfranken bestellt werden.

Schnittmuster für die erneuerte Tracht „Hofer Land“ erhalten Sie im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz (Tel. 09251/3525), für die Rehauer Tracht bei Schneidermeisterin Anna Busch (E-mail: kontakt@atelier-angemessen.de; Tel. 09283/5910750).