Trachtenerneuerung im Coburger Land

Coburger TrachtenSeit 2009 nimmt der Landkreis Coburg die Vorreiterstelle in der Trachtenerneuerung in Oberfranken ein.

Im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg, das erst im Jahr 1920 nach einer Volksabstimmung zum Freistaat Bayern hinzukam, treffen Einflüsse aus Thüringen, Oberfranken und Unterfranken zusammen. Dies zeigt sich in den überlieferten Trachten.


Quellen

Dank des großen Textilbestandes des Gerätemuseums des Coburger Landes Alte Schäferei Ahorn und dank der privaten Sammlungen von Gudrun Zwingelberg und Gustav Fischer sind zahlreiche originale Kleidungsstücke aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Auch bildliche Quellen fehlen nicht. Neben den Porträts des Wandermalers Louis Fritze sind es die frühen Fotografien des englischen Fotografen Francis Bedford sowie eine Trachtenstudie von 1845 des Coburger Malers Georg Conrad Rothbart. Hinzu kommen zahlreiche Fotografien vom Beginn des 20. Jahrhunderts, auf denen Trachtenumzüge oder Kirchweihgesellschaften zu sehen sind.


Trachtenerneuerung

Bereits in den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es im Coburger Land eine Welle der Trachtenerneuerung. Initiatorin war damals Gudrun Zwingelberg, die in Nähkursen zusammen mit den Landfrauen und der Landjugend zahlreiche Trachten anfertigte. Vorgestellt wurde die von Gudrun Zwingelberg entwickelte Tracht anlässlich des Bayerischen Landfrauentages im Jahr 1982.

Anlass für die aktuelle Trachtenerneuerung war die Wiederbelebung eines alten Brauches in Weißenbrunn vorm Wald: Dort gründeten 2008 acht junge Paare eine „Kerwesgesellschaft“ und wünschten zunächst für die jungen Frauen eine neue Tracht. Dank eines Zuschusses der Stadt Rödental konnte die Trachtenberatung Oberfranken die Entwicklung von Schnitten bei der Trachtenschneiderin Monika Bürks in Auftrag geben; genäht wurden die Trachten für die Weißenbrunner Kirchweihmädchen von Christa Eichhorn.

Nach diesem Auftakt präsentierte die Trachtenberatung Oberfranken ein Vorbildmodell für eine Festtagstracht sowie weitere attraktive Versionen einer erneuerten Frauentracht für das Coburger Land beim Oberfränkischen Trachtenmarkt 2010 in Frensdorf. Vor allem der zierliche, an die Formensprache des Rokoko erinnernde Miederteil fand inzwischen viel Anklang. Nicht nur die oberfränkische Tagespresse berichtete ausführlich darüber, auch die auflagenstarken Zeitschriften „Landlust“ und das "Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt" widmeten der neuen eleganten Tracht einen eigenen Beitrag. Bestellungen kamen seitdem nicht allein aus dem Coburger Land, sondern sogar aus Norddeutschland, Berlin, München und Belgien: Dort tragen inzwischen "Exil-Coburgerinnen" die neue Tracht als Zeichen ihrer ursprünglichen Heimat.


Die originalen Vorbilder

Der Miederrock der Coburger Frauentracht besitzt eine eigene, unverkennbare Form und erlaubt zahlreiche, auch individuell geprägte Varianten. Das Miederteil zeichnet sich durch einen tiefen, breiten Ausschnitt und schmale Träger aus, die bei den überlieferten originalen Stücken vorn mit Bandschleifen befestigt waren. Charakteristisch sind auch die bunten Knöpfe und ein geknöpfter Riegel. An Werktagen waren offenbar auch schlichte geschnürte Formen üblich. Noch im 19. Jahrhundert gab es die Tendenz, die stark auftragenden Stehfalten der traditionellen Röcke teilweise durch flache, liegende Falten zu ersetzen. Dadurch wurde die Silhouette schmaler. Die Auszier der Röcke wechselte ab 1850 von farbigen Seidenbändern zu dunklen Samtborten.

Bemerkenswert ist die Farbigkeit der Trachten: Neben den Röcken für die allerhöchsten Festtage, die in evangelischen Regionen aus feinen schwarzen Tuchen gefertigt waren, sind Röcke in Tannengrün, Petrol, Braun, Dunkelblau und Messingfarben überliefert. Fast immer verwendete man für den Miederteil einen mit dem Rock kontrastierenden gemusterten Stoff. Zusammen mit den Schürzen, Tüchern und dem roten Bänderschmuck der Mädchen ergab sich so ein farbenfreudiges Bild, das auch die englische Königin Victoria bei ihrem Besuch im Herzogtum Coburg 1845 sehr begeisterte.


Die neuen Modelle

Erneuerte Tracht von Sandra MüllerDank der heutigen Schnitttechnik konnte die Passform des Miederrocks verbessert werden. Liegende Rockfalten in Kombination mit sparsam eingesetzten Stehfalten und leichte Gewebe schaffen eine schmale Silhouette. Auf Auszier wie Borten und Paspeln wurde bei unserem Modell verzichtet.

Je nach persönlichem Geschmack und Anlass des Tragens lassen sich die Farben, Dessins und Materialien variieren. Mit Hilfe von Borten, Litzen, Stehfalten u.a. kann man sich auch wieder den historischen Vorbildern annähern.

Diese sommerliche Tracht für das Coburger Land (siehe Bild), wurde entwickelt, geschneidert und getragen von Trachtenschneiderin Sandra Müller.



Ansichten zum Vergrößern:

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Fotos:
David Ebener
Lucia Kempfle



Trachtenberatung Oberfranken

Trachtenerneuerung

Die Schnittmuster für die Modelle

"Coburger Land", "Kulmbach", "Bamberg"und das "Wunsiedler Mieder"

in den Größen 36-38, 40-42, 44-46 können in der Trachtenberatungsstelle Oberfranken bestellt werden.

Schnittmuster für die erneuerte Tracht „Hofer Land“ erhalten Sie im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz (Tel. 09251/3525), für die Rehauer Tracht bei Schneidermeisterin Anna Busch (E-mail: kontakt@atelier-angemessen.de; Tel. 09283/5910750).