Das erneuerte Wunsiedler Mieder

Wunsiedler Mieder aus bestickter Seide, konzipiert und genäht von Christiana von Roit (Fotos: Sonja Wietzel-Winkler)Das schwarze Mieder aus den Textilbeständen des Fichtelgebirgsmuseums ist noch vor der Empiremode entstanden. Es verkörpert die modische Silhouette des späten 18. Jahrhunderts und zeichnet die natürliche Taille nach.

Der Schnitt des Wunsiedler Mieders ist ausgesprochen reizvoll und betont die weibliche Figur auf vorteilhafte Weise. Es kann je nach persönlichem Geschmack in verschiedenen Farben aus gemusterten oder einfarbigen Stoffen gefertigt werden.

Die Auswahl der Materialien reicht von Wolljacquard über Leinen, Baumwolle, Samt bis hin zur Seide. Auch mit den Knöpfen kann ein weiterer persönlicher Akzent gesetzt werden.


Die Mieder im Sechsämterland

Das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel bewahrt in seinem Depot zahlreiche textile Schätze. Darunter befinden sich einige Mieder und Oberteile des späten 18. Jahrhunderts aus gemusterten Seidenstoffen. Als gemeinsames Kennzeichen besitzen sie ein geteiltes Schößchen und in der rückwärtigen Mitte eine auffällige Schneppe.

Neben diesen eher bürgerlichen Kleidungsstücken ist auch ein Mieder von ähnlichem Schnitt aus schwarzem Wolltuch erhalten, das eher der ländlichen und alltäglichen Kleidung zuzuordnen ist und in das späte 18. oder frühe 19. Jahrhundert datiert werden kann. Es greift die Merkmale der seidenen Mieder auf und besitzt ein angesetztes geteiltes Schößchen und eine rautenförmige Schneppe. Vorn wird es mit halbrunden und verzierten Metallknöpfen geschlossen.

Schnürmieder sind, wie im gesamten Oberfranken, auch im Sechsämterland nicht im Original erhalten geblieben. In den archivalischen Quellen erscheinen sie vor allem im 17. und 18. Jahrhundert. Auf einer Abbildung aus dem Jahr 1842 trägt eine Braut aus Tröstau ein rotes Mieder, an dem eine Schnürung erkennbar ist. Leider eignet sich die Darstellung nicht für eine Rekonstruktion, da das Mieder von der darüber getragenen Jacke verdeckt wird.


Eine kurze Geschichte des Mieders

Im 18. Jahrhundert war das Mieder ein wichtiger Bestandteil der weiblichen Kleidung. Es wurde über dem Hemd getragen und modellierte den Oberkörper, indem es den Busen nach oben hob und die natürliche Taille betonte. Die Schößchen schufen den Übergang zum ausladenden Rock, die spitz zulaufende rückwärtige Schneppe war in einigen Regionen eine reizvolle modische Zutat.

Unter dem Einfluss der Empiremode verlor das Mieder seine Bedeutung zugunsten der Jacke und verschwand. Auf dem Land hielt es sich noch mehrere Jahrzehnte. Vor allem die Tanzmieder der Mädchen bewahrten noch lange ihren repräsentativen Charakter. Sie bestanden aus feinen Wollgeweben, Samt oder Seide und waren oft reich verziert mit gerüschten Seidenbändern, Schleifen, Stickereien, Pailletten und bunten Knöpfen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erreichte die Empiremode auch die ländlichen Regionen. Dort übertrug man die für diese Mode typische hohe Taille auf die traditionellen Kleidungsstücke. Mieder und Jacken wurden sehr kurz und reichten nur bis unterhalb der Brust. Die schweren Röcke mussten, da sie oberhalb der natürlichen Taille keinen Halt finden konnten, entweder von Achselbändern gehalten oder an den Miedern festgehakt werden. In dieser Zeit entstanden auch die Miederröcke, bei denen der Rock direkt an die kurzen Mieder genäht wurde.

Trachtenberatung Oberfranken

Trachtenerneuerung

Die Schnittmuster für die Modelle

"Coburger Land", "Kulmbach", "Bamberg"und das "Wunsiedler Mieder"

in den Größen 36-38, 40-42, 44-46 können in der Trachtenberatungsstelle Oberfranken bestellt werden.

Schnittmuster für die erneuerte Tracht „Hofer Land“ erhalten Sie im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz (Tel. 09251/3525), für die Rehauer Tracht bei Schneidermeisterin Anna Busch (E-mail: kontakt@atelier-angemessen.de; Tel. 09283/5910750).